„Anleger verschenken Potenzial“
Die Emerging Markets sind in der Finanzwelt in aller Munde. Stehen sie doch für wirtschaftliche Impulse, die auch für die etablierten Wirtschaftsnationen zunehmend als Wachstumsmotor fungieren. Doch wie steht es um die Kenntnisse rund um die aufstrebenden Wirtschaftsnationen bei deutschen Privatanlegern? „Mit unserer Befragung wollten wir der Sache auf den Grund gehen. Die Erkenntnisse sind beunruhigend. Hier tut Aufklärung Not“, erläutert Jean Guido Servais, Marketing Director für Deutschland, Österreich und die Schweiz bei J.P. Morgan Asset Management.
Jean Guido Servais
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So zeigt die Studie, die J.P. Morgan Asset Management gemeinsam mit der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) erhebt, dass gerade mal 39,2 Prozent der Befragten den Begriff „Emerging Markets“ in Bezug auf Finanzen schon einmal gehört haben. Als Kenner des Begriffs sehen sich lediglich 15,5 Prozent. 23,7 Prozent geben an, zwar den Begriff, aber nicht die Bedeutung zu kennen. Für 60,8 Prozent der Befragten ist der Begriff Emerging Markets ein Fremdwort. Hier zeigen sich bei den Geschlechtern deutliche Unterschiede: 21,0 Prozent der Männer bescheinigen sich gute Kenntnisse, bei den Frauen sind es nur 10,3 Prozent.
Jeder Dritte hält Schwellenländer und Euro-Staatsanleihen für gleich risikoreich
Bei der Risikoeinschätzung einer Anlage in Emerging Markets gegenüber Euro-Staatsanleihen halten 38,1 Prozent ein Schwellenländer-Investment für viel risikoreicher. 36,8 Prozent schätzen die Risiken bei beiden Anlagen gleich hoch ein – eine Abweichung von lediglich 1,3 Prozentpunkten. 5,6 Prozent halten ein Investment in die aufstrebenden Märkte sogar für weniger risikoreich als ein Engagement in Euro-Staatsanleihen. In den neuen Bundesländern dominiert das Lager derjenigen, die für beide Anlagen identische Risiken sehen. „Die Risikoeinschätzung verdeutlicht eine solide Vertrauensbasis, die Schwellenländer-Investments bei Anlegern schon heute genießen. Vor dem Hintergrund der Berichterstattung zu den Eurostaaten ziehen Investoren die aufstrebenden Märkte als Anlageoption durchaus in Betracht“, kommentiert Servais.
Anleger sind in den Emerging Markets quasi nicht engagiert
Trotz punktuell vorhandener Kenntnisse und ausgewogener Risikoeinschätzung sind deutsche Anleger bisher nur minimal in Schwellenländern investiert. Gerade einmal 2,5 Prozent der Befragten haben bereits eine Anlage in dieser Region getätigt. Hierbei sind Männer (2,9 Prozent) und alte Bundesländer (2,6 Prozent) überdurchschnittlich engagiert, während Frauen (2,1 Prozent) und die neuen Bundesländer (1,8 Prozent) dagegen unterdurchschnittlich investiert sind. Bei der Anlageform liegen Aktienfonds bei allen Gruppen deutlich vor Anleihefonds – bei den Frauen erzielen Anleihefonds mit 0,6 Prozent noch den höchsten Wert. Insgesamt sind viermal so viele Schwellenländerinvestoren in Aktienfonds wie in Anleihefonds investiert.
Noch wenige Anleger planen ein Investment in den Wachstumsnationen – Aktienfonds bevorzugt
Nach ihren Investmentvorhaben der nächsten sechs Monate befragt, können sich 3,1 Prozent eine Anlage in Emerging Markets vorstellen, 96,2 Prozent möchten sich in naher Zukunft nicht in den Schwellenländern engagieren. 0,7 Prozent sind noch unentschlossen. Männer (3,5 Prozent) liegen in punkto Investmentbereitschaft vorn. Bezüglich der Anlageform sind rund 75 Prozent der Befragten, die ein Schwellenländer-Investment planen, noch unsicher. „Die Zahlen zeigen eindrucksvoll, dass Anleger Potenziale für ihr Depot ungenutzt lassen. Hier müssen wir Aufklärungsarbeit leisten und Chancen aber auch Risiken eines Engagements aufzeigen“, weiß der J.P. Morgan Experte.
Aufklärung dringend nötig, um Potenziale der globalen Wachstumsregionen auszuschöpfen
Generell an Schwellenländer-Investments interessiert sind 16,1 Prozent. Die große Mehrheit, 70,4 Prozent, zeigt aktuell jedoch noch kein Interesse. Die restlichen 13,5 Prozent sind dem Themenfeld gegenüber neutral aufgestellt. Das größte Interesse zeigen Männer mit 20,5 Prozent und Befragte aus den neuen Bundesländern mit 22,6 Prozent. „Hiesige Anleger haben zwar punktuell eine Vorstellung vom Begriff Emerging Markets, die zunehmende Bedeutung der Wachstumsregionen spiegelt sich aber noch nicht in der Geldanlage der Sparer“, stellt Servais fest. Die vorhandene Vertrauensbasis, über die Emerging-Markets-Investments bereits verfügen, stelle ein gutes Fundament dar, es fehle jedoch an einer breiten Investitionsbereitschaft. „Wenn wir uns vor Augen halten, dass mehr als 80 Prozent der Weltbevölkerung in den Schwellenländern leben und deren Volkswirtschaften in den vergangenen Jahren um mehr als sechs Prozent jährlich zunahmen, nimmt das Thema in der öffentlichen Diskussion noch nicht den entsprechenden Raum ein“, erläutert er. Neben der günstigen Demografie versprechen zunehmende Urbanisierung, anziehender Binnenkonsum, eine sich permanent verbessernde Infrastruktur und gute Bonitäten weiteres Wachstum. Die lokalen Finanzmärkte gewinnen zunehmend an Bedeutung und sind bereits ihren Kinderschuhen entwachsen. So finden Anleger in den Emerging Markets sowohl auf der Anleihen- als auch auf der Aktienseite wichtige Investmentbausteine. „Sparer, die langfristig für ihr Alter vorsorgen möchten, sollten für die aufstrebenden Länder sensibilisiert werden. Hier liegen große Wachstumschancen - auch für das Depot der Anleger“, resümiert Servais.
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